Retro: Ausflug mit dem GPD Pocket nach MS-DOS

Der GPD Pocket ist ein Nerd-Traum!

Der vor etwa eineinhalb Jahren erschienene Mini-Notebook kann nahezu alles, was auch ein Großer kann und ist trotzdem so klein, das man ihn in eine große Hosentasche stecken kann. Wer allerdings noch andere Computer zur Verfügung hat, wird ihn vielleicht trotz seiner Leistungsfähigkeit gar nicht so oft nutzen. Damit meiner trotzdem eine Bestimmung hat, habe ich ihn mit dem bekannten DOSEmu die Retro-Fähigkeit verpasst und viele von mir früher benutzte Programme zur Erinnerung installiert.

Einige ausgewählte Programme stelle ich hier vor:

XTree

Verzeichnisse und Unterverzeichnisse in Dateisystemen haben schon in der Anfangszeit der persönlichen Computer dafür gesorgt, dass die Navigation darin nicht einfach war. Eines der ersten Programme, die für dieses Problem eine Lösung anboten war XTree. Beim Start scannte XTree das komplette Dateisystem und zeigte diese anschließend in einer hübschen Baumstruktur auf dem Bildschirm, in der man nach Belieben herum wandern konnte. Das so dargebotene Dateisystem machte es leicht, eine tatsächliche Vorstellung über die Lage der auf dem eigenen Computer befindlichen Dateien zu bekommen.

2 Funktionen von XTree nutzte ich besonders häufig: Mit der Taste ‘R’ in der deutschen Version gab ich als Dateiendung ‘*.tmp’ ein und mit der Taste ‘G’ bekam ich anschließend alle Dateien mit dieser Endung blitzartig angezeigt! Also alle Dateien mit der Endung ‘*.tmp’ in allen Verzeichnissen auf dieser Platte! Diese ließen sich jetzt mit ‘Strg-M’ markieren und ‘Strg-L’ löschen.

Wer das Programm auch heutzutage gerne einmal ausprobieren oder einsetzen möchte, sei hiermit auf den Clone ZTree verwiesen.

Das Original-XTree las beim Start immer automatisch das gesamte Dateisystem ein. Das konnte bei vielen Dateien und langsamen Computern dazu führen, dass immer einige Sekunden vergingen, bis man mit dem Programm arbeiten konnte. Da XTree aber anschließend alle Dateien kannte, war jede weitere Operation auf diesen Dateien eine Sache von Millisekunden!

Bei vielleicht 10000 Dateien funktionierte XTree wunderbar. Bei der Anzahl von Dateien auf heutigen Computern (bei mir über 600000) und dem Wunsch seiner Nutzer, alles auf Knopfdruck erledigt zu bekommen, war XTree möglicherweise nicht mehr konkurrenzfähig. Aber sicher bin ich mir da nicht. Jedenfalls konnte der später bekannt gewordene Dateimanager ‘Norton Commander’, meiner Meinung nach, XTree technisch nicht das Wasser reichen.

XTree in Wikipedia

XTree Fan Page

ZTree

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APP200 – Ein HP 200LX Emulator

Wer jemals den phantastischen HP 200LX besessen hat und vielleicht sogar im Laufe der Zeit mehrere Ersatzmodelle gekauft hat, die sich mittlerweile alle aufgelöst haben, am Scharnier gebrochen oder sonst wie kaputt gegangen sind, der freut sich vielleicht über die Möglichkeit, in einem nur wenig größeren Gehäuse den APP200 Emulator laufen zu lassen. Dazu benötigt es zwar den DOSEmu, aber dann kann man seine alten Dateien öffnen und damit arbeiten. Absolut genial!

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SPI Open Access

Vor Windows und Microsoft- und Libre-Office gabe es auch schon Suiten mit ähnlichem Anspruch und ein paar davon haben das richtig gut gelöst. Zum Beispiel Ashton-Tate Framework und SPI Open Access. Open-Access war mein erster Kontakt mit einer integrierten Gesamtlösung fürs Büro. Als ich im ersten Semester meines Informatik-Studiums einen Job suchte, fragte ich in der damalige Firma PROSYS in Darmstadt-Eberstadt an. Der Geschäftsführer Wolfram Bartussek forderte von mir als Arbeitsprobe innerhalb von zwei Wochen einen Maskenditor in der Programmiersprache von Open Access zu entwickeln. Dafür wollte er mir anfangs noch nicht einmal Geld geben. Ich willigte unter der Bedingung ein, dass ich bei Erfolg, auch diese beiden Wochen bezahlt bekam. Obwohl ich diese Programmiersprache noch nie zuvor gesehen hatte und sie für die Programmierung eines Maskeneditors völlig ungeeignet war, gelang es mir, den Maskeneditor in zwei Wochen fertig zu stellen.

Die Firma PROSYS zeichnete sich dadurch aus, dass sie versuchte für die Entwicklung von Software, selbst wiederum eigene Software-Werkzeuge zu erstellen, mit denen anschließend die Entwicklung deutlich vereinfacht werden konnte. Der Maskeneditor, den ich in der Folgezeit noch weiter entwickeln durfte, erfasste alle visuellen Attribute der Maske, wie Lage und Größe von Bezeichnungen und Eingabefeldern, in Tabellen in der Datenbank von Open Access. Diese Informationen konnten dann genutzt werden, um automatisch Programmcode für einen größeren Computer zu generieren. Soweit ich noch weiß, erzeugte PROSYS damit unter anderem Anwendungen für die Firma Böhringer Ingelheim und für eine eigene Versicherungssoftware.

Im Gegensatz zu Microsoft Office mit seinem – zumindest damals, wenn überhaupt – lächerlichem ‘Microsoft Access’, besaß Open Access eine voll integrierte relationale Datenbank incl. der Möglichkeit programmgesteuert mit SQL-Abfragen darauf zuzugreifen. Darum war es mit Open Access sehr leicht Datenbankanwendungen zu entwickeln. Open Access kannte die Beziehungen der Tabellen von relationalen Datenbanken und unterstützte halbautomatisch die Entwicklung von passenden Oberflächen dafür.

Ich bin damals erstmals mit Datenbanken in Kontakt gekommen. Anfangs dachte ich, das man so etwas nicht benötigt. Ich dachte das man alles einfach so programmieren kann. Es dauerte ein bisschen, bis ich das Konzept wirklich verstanden hatte, aber seither liebe ich Datenbanken.

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Derive

Obwohl ich von Mathematik fasziniert bin, bin ich nicht sonderlich gut darin. Als ich ein erstes Verständnis von der Funktionsweise von Computern und vom Programmieren hatte, fing ich an darüber nachzudenken, wie man einem Computer Mathematik beibringen konnte. Die ersten von mir erdachten Lösungsansätze waren aber vage Gebilde und da ich nicht genug von Mathematik verstand, war es schwierig sie zu verifizieren. Für mich war es eine große Herausforderung, vor der ich sehr viel Respekt hatte.

Als ich dann das erste Mal in meinem Leben mit einem Computer Algebra System konfrontiert wurde, war ich sehr beeindruckt! Es war das von David Stoutemyer und Albert Rich von Soft Warehouse, Inc. (Honolulu, Hawaii) entwickelte Derive. Alles hat mich zum damaligen Zeitpunkt daran beeindruckt:

  • Es konnte Gleichungen nach X auflösen.
  • Es arbeitete nicht numerisch, sondern verstand die eingegebenen Ausdrücke wie ein Mensch.
  • Es hatte eine ‘History’-Funktion, mit der man die bisher erarbeiteten Ausdrücke immer wieder ansehen und neu bearbeiten konnte.
  • Es konnte 2D- und 3D-Grafiken zeichnen
  • Es besaß eine beliebige Genauigkeit.
  • Es hatte ein integriertes Fenstersystem
  • Die Entwickler lebten auf Hawaii!

Ich hatte Derive als Raubkopie von einem Kommilitonen bekommen, der selbst nicht wusste, was er mir da für ein Programm gab. Anfangs habe ich nicht verstanden wie das Programm funktioniert. Ich gab aber nicht auf es verstehen zu wollen und habe einige Zeit damit verbracht seine Bedienung zu verstehen. Als ich dann das erste Mal eine Gleichung damit auflöste, hat das eine ungeheure Faszination bei mir ausgelöst, die bis heute andauert.

‘Der Hammer’ aber war, dass es das Programm auf einer PCMCIA-Karte zu kaufen gab, die in einen winzigen MS-DOS fähigen HP 95LX passte! Ich war damals schon Nerd und besaß so ein Gerät. Darum wollte ich diese Karte unbedingt haben und hoffte, dass sie mir bei Klausuren im Studium und bei meinen Problemen mit Mathematik helfen würde.

Letztlich hat das nicht geklappt.

Derive wurde später an Texas Instruments verkauft und in die bekannten Taschenrechner TI-89 und TI-92 eingebaut. Dabei wurde auch die beliebig einstellbare Genauigkeit gekappt.

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BrainStorm

Ich erwähnte ja schon bei ‘XTree’ meine Faszination an der grafischen Darstellung von verzweigten Systemen. XTree zeigte mir, dass es auf einem Klötzchen-Bildschirm möglich war, eine komplexe Struktur auf visuell ansprechende Weise darzustellen.

Ich wollte so etwas unbedingt auch programmieren können und entwickelte mit Turbo-Pascal 5.0 ein kleines Programm, welches die Aufruf-Struktur von dBase-Programmen analysierte und als Baumstruktur auf dem Bildschirm ausgab. Der Trick war es unter DOS einige spezielle Sonderzeichen an den richtigen Stellen auf dem Bildschirm auszugeben.

In der Firma PROSYS gab es damals ein mit Open Access entwickeltes Programm, welches zum Schreiben von Pflichtenheften verwendet wurde. Sein Kern war eine Komponente zur Erfassung und Bearbeitung einer Kapitelstruktur die durch unterschiedlich tiefes Einrücken dargestellt wurde, leider war es im Gebrauch sehr schwerfällig. Es machte aber deutlich, dass man mit einem Computer Strukturen bearbeiten kann.

Wenn ich selbst über neue Ideen nachdachte, entwickelten sich schnell eine Fülle von Gedanken, die ich genauso schnell erfassen und später weiter strukturieren wollte. Dafür gab es kein geeignetes Werkzeug. Papier war einfach viel zu statisch und eine Textverarbeitung war nicht in der Lage eine hierarchische Struktur visuell gut genug abzubilden.

Darum wollte ich mir ein solches Werkzeug selbst entwickeln. Das Ergebnis ist das Programm BrainStorm. Ein Programm mit dem die Äste im Baum blitzschnell nach Belieben verschoben werden konnten und es dadurch möglich war, eine Baumstruktur nach Belieben zu verformen. Es war – sozusagen – eines der ersten Mindmapping-Programme seiner Zeit.

Für dieses Programm entwickelte ich ein eigenes kleines Fenstersystem incl. eines integrierten Menügenerators.

Eine Zeit lang habe ich es als Shareware vertrieben.

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FoxPro 2.0 und 2.6

Das beste Datenbanksystem seiner Zeit war sicherlich FoxPro für DOS. Damit konnte man bei der Programmierung schon mit SQL arbeiten und sehr einfach leistungsfähige Reports erzeugen. Wie im Absatz über SPI Open Access schon erwähnt, war ich ein Fan von Datenbanken geworden. Bei Datenbanken kommt es aber unter anderem darauf an, sehr schnell die gerade gewünschten Daten zu bekommen. Dies war zur damaligen Zeit am besten mit FoxPro und seiner ‘Rushmore’-Maschine möglich.

Bei der Entwicklung von BrainStorm hatte ich erkannt, dass beliebig große Bäume und die Möglichkeit, dass mehrere Menschen gleichzeitig an einem Baum oder Zweig arbeiteten, mit einem im Arbeitsspeicher abgelegten Baum nicht möglich war. Darum wollte ich ein neues und noch viel besseres BrainStorm programmieren. Dazu benötigte ich aber eine schnelle Datenbank. Ich kaufte mir FoxPro für DOS und entwickelte ‘TheTree’, ein auf FoxPro basierendes BrainStorm.

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Mobiler Lötkolben TS80

Autark sein

Als Durchschnittsmensch lebe ich in einem Haus, welches ganz normal an die modernen Errungenschaften dieses Staates angeschlossen ist. Also an Wasser wie auch Abwasser, Telefon bzw. Internet und an den üblichen Haushaltsstrom. Letzterer ist ganz selbstverständlich vorhanden und ich merke seine Anwesenheit bewusst eigentlich nur beim gelegentlichen Blick auf die Stromrechnung. Aber immer, wenn ich mich wieder einmal einem Endzeitfilm hingegeben haben (Mad Max und Waterworld lassen grüßen) überfällt mich der Gedanke, was wäre, wenn es einmal einen Stromausfall gäbe? Was würde dann in unserem Haus noch funktionieren? Da wir leider bis jetzt noch keine Solaranlage haben, wäre das vermutlich nicht mehr viel. Aber nehmen wir einmal an, ich hätte einen kleinen 100 Watt Solarkollektor irgendwo auf einem Dach oder einer Wand montiert und mit einem Akku und einem Wechselrichter verbunden. Was ginge dann noch?

Herd, Waschmaschine und Fön werden sich unter solchen Bedingungen nicht so einfach verwenden lassen. Im Winter müsste wenigstens die Ölheizung noch laufen. Aber die hat auch elektrische bzw. elektronische Bestandteile, die konstant mit Strom versorgt werden müssen. Auch ob mein Desktop-Computer samt Monitor dann noch sinnvoll zu verwenden ist, ist fraglich. Aber der eine oder andere Ultrabook oder mein GPD Pocket sollten dann doch noch zu verwenden sein. Was ist mit der Beleuchtung abends? Über längere Zeit gesehen, müssten dann wenigstens die Akkus der Taschenlampen aufgeladen werden.

Da ich viele Geräte besitze, die sich theoretisch alle irgendwie mit 5 Volt von einem USB-Anschluss versorgen lassen, sollte da doch einiges gehen. Notfalls baue ich mir irgendetwas zusammen, ein paar DC-DC Wandler und Kabel liegen hier herum und ich muss sie nur irgendwie verbinden. Einfach zusammen löten. Stopp! Löten? Aber mit was?

Mobile Lötkolben

Mein Lötkolben von der Firma Ersa ist ziemlich alt, benötigt 35 Watt und einen 220 Volt Anschluss zum Betrieb. Wenn der Hausstrom ausgefallen ist und ich erst etwas Basteln muss, um überhaupt Strom zu bekommen, wird das leider nicht funktionieren. Mit einem hier herum liegenden Solarpanel könnte ich versuchen eine Powerbank aufzuladen, aber die liefert nur 5 Volt und maximal 10 Watt. Das reicht nicht.

Derart Überlegungen brachten mich dazu im Internet nach einem mobilen Lötkolben zu suchen. In einem ersten Schritt führte dies zu Gaslötkolben, von denen ich zwar irgendwann schon einmal etwas gehört hatte, aber die völlig aus meinem Fokus geraten waren:

Konkret zum Beispiel dieser von Dremel:

Eigentlich gar nicht dumm so ein Gaslötkolben, andererseits aber eine zusätzliche Energieform, mit deren Umgang ich mich erst einmal anfreunden muss und der nicht ungefährliche Einsatz von Feuer. Darum suchte ich weiter und entdeckte günstige Batterielötkolben:

Weller BP865CEU

Es gibt sogar welche für nur 8 Euro:

Ich wollte aber auf keinen Fall ein Batterie-Set nach dem anderen beim Löten verheizen. Der Lötkolben sollte wenigstens mit Akkus laufen. Vielleicht funktioniert das sogar mit den eigentlich als Batterielötkolben bezeichneten Geräten. Oft sogar besser als mit Batterien, da die meisten Akkus in der Lage sind einen höheren Strom abzugeben. Da ich aber keinen von diesen Lötkolben zum Testen habe, suchte ich weiter und stieß auf einen, der mit USB laufen sollte:

USB Lötkolben 8W

8 Watt ist aber nicht sonderlich viel und es ist fraglich, ob dieser Lötkolben schnell genug Hitze erzeugen kann, damit ein Lötpad auf eine zum Lötzinn schmelzende Temperatur kommt. Immerhin, es gibt offensichtlich Lötkolben auf USB-Basis! Ich recherchierte weiter und fand den TS100 von der Firma Guangzhou e-Design Intelligent Technology Co., Ltd.

Ein Lötkolben von einer chinesischen Firma und so teuer? Das machte mich neugierig und bei der weiteren Suche nach Informationen fand ich einen bemerkenswerten Eintrag im Taschenlampen-Forum.

Teuer aus China?

Laut der Aussage von ‘The_Driver’ scheint der TS100 nicht nur die Möglichkeit zur Mobilität zu geben, sondern auch im Vergleich zu stationären Lötkolben ein wirklich gutes Gerät zu sein. Leider ist er kein USB-Lötkolben, sondern benötigt mindestens 9 Volt Gleichspannung. Für viele Modellbauer scheint das aber Ok zu sein. Sie verfügen meist über 4S/5S Li-Po Modellbauakkus, mit denen sich der TS100 verbinden und dann problemlos verwenden lässt.

Ich war kurz davor ihn mir, samt einem passenden Akku, zu bestellen. Da viel mir glücklicherweise ein, dass ich dann ja auch noch ein passendes Ladegerät dazu benötige und ich merkte, dass, zu mindestens für mich, der Aufwand für diesen Lötkolben viel zu groß wird. Schade, denn die vielen Vorteile des TS100 hatten mich überzeugt.

Ich wollte das Projekt ‘Mobiler Lötkolben’ schon aufgeben, da tauchte in den Ergebnislisten der Suchmaschinen plötzlich ein TS80 genannter Lötkolben auf.

Dies ist der Nachfolger des TS100. Er hat eine USB-C Buchse und ist, im Gegensatz zum TS100, noch etwas kleiner und aus Aluminium, was ihn in meinen Augen noch interessanter macht. Nachdem ich bisher mit einem uralten Ersa Lötkolben mit 220 Volt Anschluss gearbeitet habe, extrem klein. Sein Durchmesser ist etwas geringer als der Durchmesser eines Markers von Edding! Trotzdem besitzt er eine eingebaute OLED-Anzeige, die die Temperatur anzeigt und zur Konfiguration verwendet werden kann. Zur Steuerung verwendet er einen STM32 Microcontroller.

Der ultimative Lötkolben?

Das ist aber nicht notwendig, denn die auf dem Lötkolben befindliche Firmware kann eigentlich alles, was ich mir vorstelle und das ist im Falle eines Lötkolbens nicht sehr viel: Schnell auf die gewünschte Temperatur kommen und die Temperatur möglichst genau halten, egal wie viel Temperaturabfluss an der Lötstelle existiert. Da im Lötkolben auch ein Bewegungssensor verbaut ist, kann der Lötkolben erkennen, ob er eine bestimmte Zeit lang abgelegt wurde und falls ja, die Temperatur automatisch auf eine Standby-Temperatur herunter regeln. Sobald der Lötkolben wieder bewegt wird, heizt er die Lötspitze wieder auf die eingestellte Temperatur auf. Alle Werte lassen sich direkt über 2 Tasten am Lötkolben konfigurieren.

Leider bedeutet die USB-C Buchse nicht, dass der TS80 mit einer üblichen Powerbank betrieben werden kann. Verbindet man den TS80 über das mitgelieferte USB-Kabel mit einer Powerbank, so leuchtet zwar das Display auf, aber sobald man den Heizvorgang starten möchte, erscheint auf dem Display die Meldung ‘Low-Vot’. Die Spannung ist zu niedrig. Auch der TS80 benötigt mindestens 9 Volt zum Betrieb und die kommen aus einer üblichen Powerbank nicht heraus.

Der TS80 wird mit einem passenden Netzteil geliefert. Es unterstützt den Quick Charge Standard, über den ich in meinem Artikel Powerbank Nachschlag Soshine E3S QC schon etwas geschrieben habe. Es kann:

  • 6 – 6.5 Volt und 3 Ampere

  • 6.5 – 9 Volt und 2 Ampere

  • 9 – 12 Volt und 1.5 Ampere

Der mittlere Bereich passt ideal zum TS80. Mit 9 Volt und 2 Ampere erreicht man die zu seinem Betrieb nötigen 18 Watt. Damit funktioniert der TS80 schon einmal prima! Aber meinem zu Beginn dieses Artikels definiertem Ziel einen mobilen Lötkolben zu besitzen, bin ich scheinbar nicht näher gekommen?

Doch! Denn meine oben schon erwähnte Soshine E3S Powerbank besitzt auch die Quick Charge Fähigkeit! Stecke ich das USB-Kabel in den QC-Ausgang der E3S und betätige den Einschalt-Taster, lässt sich der TS80 einwandfrei verwenden!

Mission accommplished!

Mittlerweile konnte ich den TS80 schon öfters ausprobieren und er hat sich zusammen mit der E3S QC als sehr praktisches Werkzeug erwiesen. Letztens haben wir neue Lautsprecherboxen bekommen und ich wollte sie schnell mit den schon bei den alten Boxen verwendeten Kabeln verbinden. Die neuen Boxen haben Buchsen für Bananenstecker, die auch ein Loch für verdrillte Litze beinhalten. Da die alten Lautsprecher defekt waren, habe ich einfach die zweiadrigen Kabel abgeschnitten, in der Mitte ein paar Zentimeter aufgetrennt, die einzelnen Adern etwa 5 mm mit einem Seitenschneider abisoliert, verdrillt und mit dem TS80 verzinnt. So konnte ich sie in die Löcher der Buchsen stecken und mit den Buchsen festziehen. Mit der E3S QC konnte ich direkt vor den Boxen arbeiten und benötigte kein 220 Volt Verlängerungskabel. Insgesamt eine Sache von ein paar Minuten.

Alternative Firmware

Doch das der Lötkolben nicht mit einer normalen USB Powerbank zu gebrauchen war nagte an mir. Ich hatte irgendwo im Internet von einer alternativen Firmware für den TS80 gelesen:

Man findet sie auf GitHub: https://github.com/Ralim/ts100/releases

Und hier gibt es sogar Support dazu.

Ich habe sie ausprobiert. Das Flashen ist sehr einfach: Einfach beim Einstecken des USB-Kabels des TS80 die zur Lötspitze gerichtete Taste gedrückt halten. Auf der Anzeige des TS80 erscheint ‘DFU:3.45’ und im Windows Datei-Explorer ein Laufwerk mit der Bezeichnung ‘BFD788FA’. Dort hinein kopiert man eine der bei GitHub gelisteten Dateien, zum Beispiel ‘TS80_DE.hex’. Der Lötkolben wird daraufhin automatisch vom Computer getrennt, die Datei wird sofort als neue Firmware geflasht und anschließend wird der Lötkolben wieder mit dem Rechner verbunden. Wenn dann eine Datei mit der Bezeichnung ‘TS80_DE.RDY’ im Wurzelverzeichnis der Datei erscheint, hat alles geklappt.

Wird der Lötkolben jetzt vom Computer abgezogen und mit einer konventionellen Powerbank verbunden, heizt er tatsächlich auf! Das dauert aber so lange, dass, wenn man ihn nicht bewegt, die automatische Abschaltung aktiv wird. Der Lötkolben muss darum in der Aufheizphase immer einmal wieder bewegt werden oder die Zeit bis zum automatischen Abschalten muss deutlich verlängert werden (etwa 3 min). Ich habe mit dieser Firmware noch nichts gelötet, aber probiert, ob sich mein Lötzinn damit schmelzen lässt. Das hat geklappt. Vermutlich kann man mit der alternativen Firmware tatsächlich behelfsmäßig löten. Nicht schlecht!

Alles gut?

Nicht ganz. Denn wenn der Lötkolben aufgrund Inaktivität auf die Standby-Temperatur zurück geht, zieht er so wenig Strom, dass die Powerbank denkt, ‘das lohnt sich jetzt nicht mehr wirklich’ und einfach abschaltet. Was bedeutet, dass der Lötkolben aus ist, weiter abkühlt und beim nächsten Aktivieren viel länger benötigt, bis er wieder auf Löttemperatur ist. Noch dazu muss man jetzt vorher auch noch die Powerbank wieder einschalten. In diesem Punkt ist die von mir so geschätzte Soshine E3S leider etwas mimosenhaft. Vermutlich lässt sich diese Problematik durch den Einsatz einer anderen Powerbank mit Quick Charge lösen.

Die aktuellste Original-Firmware kann hier gefunden werden.

Beim Vergleich der Original- mit der alternativen Firmware ist mir noch aufgefallen, dass die Regelung der originalen Steuerung möglicherweise besser ist. Denn wenn die von den beiden Firmwares angezeigten Temperaturwerte korrekt sind, kann man beim Aufheizen sehen, wie die Original-Firmware viel weniger um den gewünschten Temperaturwert herum eiert. Sie erreicht den Wert schnell und sicher und hält ihn anschließend exakt, während die alternative Firmware immer ein wenig um den Wert herum schwankt und auch nach Erreichen der Zieltemperatur, immer mal wieder für einen Moment eine Abweichung zeigt. Ich denke aber nicht, dass das wirklich ein Problem ist.