Mai Thi Nguyen-Kim im Thalia in Darmstadt

Seit ein paar Monaten bin ich ein großer Fan von Dr. Mai Thi Nguyen-Kim. Sie ist eine promovierte Chemikerin und als solche hätte ich mich normalerweise Null für sie interessiert. Sie taucht allerdings in der Videoübersicht von Terra X Lesch & Co auf und das ist für mich eine echte Empfehlung, denn ich bin auch ein großer Fan von Professor Harald Lesch. Eines der ersten Videos, welches ich von ihr gesehen habe, ist:

Dort legt sie sich mit Prof. Karin Michels von der Uniklinik Freiburg auf wissenschaftlich gesicherte Weise an, die mir sehr imponiert hat.

Sie betreibt in Verbindung mit funk mehrere Youtube-Kanäle. Der ursprünglich unter ‘schönschlau’ betitelte Kanal läuft jetzt unter der Bezeichnung ‘maiLab‘.

Der ältere, aber der, meiner Meinung nach, weniger formalisierte und damit nettere, Kanal von ihr ist ‘The Secret Life Of Scientists‘.

Und auch auf ‘Terra X Lesch & Co‘ ist sie mit einzelnen Videos vertreten.

Nach dem Kokosöl-Video sah ich mir ihre Videos über CRISPR an, da mich dieses Thema auch sehr interessiert.

Nach ihrer Promotion entschied sie sich dafür, vermutlich schweren Herzens, Wissenschaftsjournalistin zu werden. Keine schlechte Entscheidung, wie ihre unzähligen Videos beweisen. Außer Lesch kenne ich niemanden, der Wissen bzw. Wissenschaft so anschaulich aufbereitet, wie Mai Thi. Man möchte ihr am liebsten ständig Fragen hinwerfen, die sie doch bitte sofort auf ihre Art aufbereitet, erklärt und beantwortet. 🙂

Wenn man heutzutage hört und sieht, wie scheinbar gebildete Menschen Schwachsinn verzapfen, kann es einem schlecht werden. Da ist es unbedingt erforderlich, dass wieder mehr wissenschaftliche Methodik in unser aller Bewusstsein dringt.

Denn leider wird manchmal unter dem Deckmantel der Wissenschaft falsches Wissen vermittelt. Da es aber ‘Wissenschaftler’ oder andere, scheinbar gebildete Leute (zum Beispiel Ärzte) gesagt haben, oder weil es in einem Magazin oder auf einer Webseite mit Hinweis auf eine wissenschaftliche Studie geschrieben wurde, glauben die Menschen es. Das ist dann natürlich fatal! Diese Menschen sind ja auch wieder Meinungsverbreiter und schnell wird das falsche Wissen in der Öffentlichkeit weiter verbreitet.

Es anschließend wieder aus den Köpfen heraus zu bekommen und durch die Wahrheit zu ersetzen, ist sehr schwierig. Passiert dies fortwährend und leider ist das schon längst so, erodiert im Laufe der Zeit auch der Glaube an die Wissenschaft. Dann passiert es, dass ein Teil der Öffentlichkeit gegenüber wissenschaftlich fundierten Aussagen skeptisch wird und schon lebt die flache Erde wieder. Wir müssen darum alles tun, dass wissenschaftliche Studien nicht für die Verbreitung von falschem Wissen verwendet werden und wir alle mehr davon verstehen, was wissenschaftliches Arbeiten eigentlich bedeutet.

So wie ich Mai Thi verstanden habe, ist dies der wesentliche Grund für ihre Entscheidung Wissenschaftsjournalistin zu werden und mit ihren Mitteln darauf hinzuarbeiten, dass wir alle in die Lage versetzt werden, kritischer mit dem umzugehen, was wir alltäglich im Internet und auch sonst so vorgesetzt bekommen. Und im Idealfall Unsinn erkennen und nicht jedem dummen Hype hinterherrennen.

Ein anderer gedanklicher Ansatz sich mit Wissenschaft zu beschäftigen, ist die Idee, alles um uns herum als Moleküle zu betrachten. So hat man eine Art Lego-Baustein, mit dem man nahezu alles bauen, aber auch erklären kann. Ich denke, dieser gedankliche Ansatz hat Mai Thi zu ihrem Buch ‘Komisch, alles chemisch!’ bewogen, welches zur Zeit auf Platz 2 der Spiegel Bestseller im Bereich Sachbuch ist.

Als ich auf Instagram davon erfuhr, dass Mai Thi demnächst in Darmstadt im Thalia eine Lesung hält, wollte ich auf jeden Fall hin, um sie einmal persönlich zu sehen. Das war gestern Abend.

Ich war noch nie vorher in meinem Leben auf einer Lesung und darum sehr gespannt, wie das abläuft. Die Lesung sollte um 18:00 Uhr beginnen und darum war ich schon um 17:00 Uhr da, damit ich ja nichts verpasse und mir vielleicht einen guten Platz organisieren kann. Gleich nach meiner Ankunft im Thalia kaufte ich mir Mai This Buch und vergewisserte mich bei der Verkäuferin, dass ich es auch signieren lassen kann.

Im hinteren Bereich vom Thalia, da wo auch die Fachliteratur zu finden ist, waren einige Reihen Stühle aufgestellt und ein paar wenige junge Leute saßen schon da. Die meisten Stühle waren aber noch unbesetzt und ich entschloss mich, erst einmal in den Bücherregalen zu stöbern.

Mit einem Buch über agile Methoden suchte ich mir dann einen Platz in der dritten Stuhlreihe in der Mitte, so dass ich eine optimale Position für Fotos oder Filme hatte.

Während ich las, kamen immer mehr Menschen und setzen sich auf die Stühle. Es wurden so viele, dass das Personal vom Thalia noch viele Stühle holen musste. Und irgendwann saßen sogar ein paar Leute neben mir auf dem Boden zwischen den Stühlen. Neben mir saß eine junge Chemikerin und unterhielt sich lautstark mit ihren Bekannten. Nach der Lesung wollte sie ins Cafe Chaos gehen.

Um etwa 17:30 Uhr kam Mai Thi vorbei, lächelte freundlich und prüfte das Mikrofon. Dann verschwand sie wieder.

Einmal erschien ein älterer Herr mit asiatischen Gesichtszügen und suchte nach einem unbesetzten Stuhl. Aber nicht er wollte da sitzen, sondern er führte anschließend eine ältere Frau mit langen grauen Haaren zu dem Platz. Ich vermute, dass waren Mai This Eltern. Später habe ich mich nur gewundert, dass der Herr wieder verschwunden war, zumindest konnte ich ihn nirgends mehr sehen.

Insgesamt eine nette Stimmung und ich wollte gerne noch einmal so jung sein und noch einmal studieren.

Pünktlich um kurz nach 18:00 Uhr kam schließlich Mai Thi. Sie war genau so, wie man sie von ihren Videos her kannte. Scheinbar entspannt, freundlich und ohne sich auch nur einmal zu verhaspeln, zeigte sie am Anfang ein paar von in ihrer Kindheit gemalten Bildern, die mit Text versehen waren und zeigten, dass sie schon damals Autorin werden wollte. Und schon hatte sie uns in ihren Bann gezogen.

Die Lesung selbst war eine Mischung aus scheinbar freiem Erzählen, aufgelockert mit kurzen Passagen, die sie direkt aus ihrem Buch vorlas. Am Ende bekam sie von einem jungen Mann, ich denke es ist ihr Ehemann gewesen, eine Ukulele gebracht, mit dem sie ein kurzes Lied über Chemie präsentierte. Ich habe es für Euch aufgenommen und auf Youtube gestellt:

Anschließend konnte man sein persönliches Exemplar von ihrem Buch von ihr signieren lassen. Dazu reihte ich mich schnell in eine gerade entstehende Menschenschlange ein und wartete geduldig darauf, bis ich an die Reihe kam. Vor mir kam eine junge Frau dran und brachte Mai Thi ein Cookie mit, welches Mai Thi ein charmantes Lächeln entlockte. Dies war offensichtlich eine Reminiszenz an Mai This Keksemojis, die sie manchmal für richtige Antworten in ihren Kommentaren vergibt.

Nun bin ich stolzer Besitzer von meinem ersten Buch mit persönlicher Signierung der Autorin! Und Mai Thi hat sich ihren Kindheitswunsch mehr als erfolgreich verwirklicht. Bitte unterstützt sie auf ihrer Mission, den Menschen wieder mehr Neugier auf die Funktionsweise dieser Welt zu vermitteln und sie mit echten wissenschaftlichen Methoden zu stillen!

 

Mini Maker Faire Darmstadt am 23.02.2019

Am letzten Donnerstag erinnerte ich mich aus irgendeinem Grund an meinen Besuch der Maker Faire 2016 in Frankfurt. Mir viel ein, wie gut es mir dort gefallen hatte und auf einmal hatte ich große Lust, wieder einmal eine Maker Faire zu besuchen. Ich sah gleich im Internet nach und war völlig überrascht, dass schon 2 Tage später eine Maker Faire in Darmstadt sein sollte! Da wollte ich hin…

Während wir Nerds im Alltag oft belächelt werden, ist das auf einer Maker Faire überhaupt nicht der Fall. Hier finden wir uns unter Gleichgesinnten wieder. Hier müssen wir nicht darüber nachdenken was wir wem wie sagen, sondern können ungehemmt unserer Faszination an der Technik nachgeben. Kurz: Hier fühle ich mich wohl!

Der Eintritt kostete 15 Euro. Ich musste ihn bezahlen, da ich nicht bereit war, meine EMail-Adresse für einen Newsletter zur Verfügung zu stellen. Sonst hätte ich auch umsonst auf die Maker Faire dürfen.

Brachiale Beschleunigung