Rant über Netflix’s ‘Der Mensch Bill Gates’

Über: Der Mensch Bill Gates St 1: Flg. 2 ‚Teil 2‘

Ich sehe gerade bei Netflix die Serie ‚Der Mensch Bill Gates‘. Da ich, sozusagen, mit Bill Gates aufgewachsen bin und mich sein immenser Erfolg fasziniert, versuche ich immer wieder herauszufinden, ob er den auch verdient hat. Ja klar, ich bin schlicht neidisch! 🙂

Generell nervt mich beim Betrachten das Ineinander Schneiden verschiedener Threads. Ich mag es nicht, wenn man zwei oder mehr Erzählstränge in unzählige kleine Clips zerschneidet und sie dann gemischt wieder zusammen setzt. Ich verstehe zwar im Fall des Stundenplanproblems und des gerichteten Einsatzes von Impfärzten (24:15), wie man hier zeigen möchte, wie beide Probleme ähnlich kompliziert sind und wie nur Bill sie lösen kann. An Position 20:35, Bill Gates: ‚Aber ja, es war ein kniffliges Problem.‘ Trotzdem nervt es mich.

Ab ungefähr 34:10 beginnt eine Passage über eine zu liefernde Software für IBM. An dieser Stelle bekommt diese Netflix Dokumentation für mich einen sehr negativen Touch. Wie hier ein für die Firma Microsoft äußerst relevanter Schritt in der Firmengeschichte dargestellt wird, ist zu mindestens extrem ungenau. Meiner Meinung nach werden hier bewusst wichtige Informationen vertuscht und führen in der Folge zu einer falschen Vorstellung beim Betrachtenden.

Im Film heißt es unter andrem: ‚Doch Paul hatte nur den Start des Shuttles im Sinn‘ und ‚Jedenfalls hat Paul mich nicht gefragt, ob er dafür einmal für 3 Tage verschwinden könnte‘ und ‚Nach einigen Extra-Schichten kann Bill an IBM liefern‘. Anschließend heißt es‚ MS DOS wurde ein Meilenstein in der Geschichte Microsofts‘.

Diese Aussagen erzeugen den Eindruck, das es nur Bill Gates zu verdanken ist, dass sie MS-DOS rechtzeitig an IBM haben liefern können. Ob das wirklich so war, kann ich nicht beurteilen. Habe aber vollstes Verständnis für Paul Allen, der ein so historisches Ereignis wie einen Space Shuttle Start live sehen wollte.

Dies ist aber auch gar nicht so wichtig. Das Entscheidende an dieser Szene ist, dass es vollständig verheimlicht, wie das damals vermutlich wirklich war. Denn Microsoft hatte MS-DOS gar nicht selbst entwickelt, sondern einer anderen Firma ein simples Betriebssystem abgekauft, welches Microsoft etwas modifizierte und es dann als PC-DOS an IBM verkaufte! Da sie aber die Rechte daran behielten, konnten sie an dem großen Erfolg des IBM-PCs teilhaben und mit jedem verkauften PC Geld verdienen.

Wer dazu genaueres wissen möchte, sei auf diesen Artikel von Berd Leitenberger verwiesen.

Später machte Microsoft noch einige große Fehler, die alle dazu geeignet waren, eine Firma zu ruinieren. Zum Beispiel unterschätzten sie den Erfolg des Internets und erkannten erst spät, dass Firmen wie Netscape, mit ihrem Browser ‘Navigator’, das Tor zu dieser Welt darstellten. Um das dadurch verlorene Terrain wieder zurück zu gewinnen, verdonnerten sie alle Windows Anwender zur Verwendung des ‘Internet Explorers’, den sie fest in Windows verankerten, so dass unbedarfte Anwender ihn verwenden mussten!

Dass sie solche Situationen überhaupt überleben konnten, liegt meiner Meinung nach nur an dem vielen Geld, was Microsoft bis dahin schon verdient hatte und mit dem sie in der Lage waren, die falsch gewählten Wege wieder verlassen zu können.

Manchmal frage ich mich, ob eine Firma wie Microsoft so groß hätte werden können, wenn sie sich immer moralisch einwandfrei verhalten hätte? Und bedeutet das im Umkehrschluss, dass man nicht erfolgreich sein kann, wenn man immer moralisch einwandfrei handelt?

 

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