3 Motorräder, die jeder Mann braucht!

Letztens lief ich an einer offenen Garage vorbei, vor der 3 Motorräder standen und ein Mann, der gerade seine Garage aufräumte. Nach einem kurzen Gespräch war schnell klar, dass der Mann eine außergewöhnliche gute Zusammenstellung an Motorrädern besaß. Da ich alle drei Maschinen kenne und auch schon gefahren bin, schreibe ich hier, warum das so ist!

Honda CB 1000 R

125 PS, 99 Nm bei 7750 u/min

Seit Honda 1969 die CB 750 Four vorgestellt hat, ist eine Honda Vierzylinder Maschine für mich so etwas wie der Inbegriff des klassischen Vierzylinder-Motorrades. Damals wurde bezweifelt, das ein Motorrad mit so vielen Zylindern und dementsprechend vielen Teilen lange halten wird. Aber die Honda lehrte den alteingesessenen Herstellern mit ihren jedes Jahr weiter steigenden Gesamtkilometerzählern das Fürchten.

Für die 2008 vorgestellte CB 1000 R (SC60) übernahm Honda den Motor der schon lange erfolgreich am Markt etablierten Fireblade und modifizierte ihn so, dass er untenrum etwas mehr Drehmoment hat und dafür obenherum nicht ganz so hoch drehen kann. Das Ergebnis ist ein wunderbar seidenweich schnurrender Motor mit maximal 125 PS, der jederzeit blitzschnell mit einem kleinen Dreh am Gasgriff mit heißerem Fauchen zeigt, das so ein Kätzchen jederzeit zum Tiger werden kann.

Es ist möglich, die CB 1000 R im letzten Gang, dem Sechsten, ganz leise mit 40 km/h und völlig ohne Ruckeln, durch Städte und Dörfer zu fahren, um dann kontinuierlich auf über 200 km/h zu beschleunigen. Natürlich entwickelt sie so nicht ihre volle Beschleunigungskraft. Aber, je nach Fahrmode, damit meine ich nicht einen Mode der Honda, denn die hat keinen, sondern meinem, erreicht man mit den für ca. 100 km/h im sechsten Gang erforderlichen Drehzahlen, eine auch für Überholmanöver ausreichende Beschleunigung. Ist man im Race-Mode und benötigt sehr schnelle Überholmanöver, so empfiehlt es sich zum Überholen, ein bis zwei Gänge herunterzuschalten, und durch die dadurch erhöhte Drehzahl ist dann Leistung im Überfluss vorhanden.

Meiner Meinung nach ist die Motorcharakteristik der seit 2018 modernisierten CB 1000 R (SC80), trotz ihrer 20 Mehr PS, nicht mehr so attraktiv, wie die der SC60. Das liegt an einer Drehzahldelle im mittleren Bereich. Und von den 145 PS bekommt man nur etwas mit, wenn man die SC80 ständig an ihrer Drehzahlgrenze bewegt. Und wer macht das bei einer solch potenten Maschine schon?

Die CB 1000 R ist für mich die beste Vierzylinder Maschine für die Realität auf Deutschlands Straßen! Es mag mittlerweile Vierzylinder mit wesentlich mehr Leistung, mit einem strafferen Fahrwerk oder mit einer eher Rennstrecken geeigneten Fahrwerksauslegung geben, aber für das ganz normale Fahren auf manchmal kaputten Straßen, einen Abstecher auf einen Schotterweg, einer entspannten, aber immer noch sportlichen Fahrposition, gibt es nichts Besseres als die CB 1000 R!

Willst Du einen Vierzylinder erleben, dann fahre die Honda CB 1000 R!

KTM 1290 Super Adventure

160 PS, 140 Nm bei 6750 u/min (100 Nm bei 2500 u/min)!

Der Motor leistet bei 2500 Umdrehungen pro Minute 100 Nm! Aber Hallo! Das ist so viel wie die Honda maximal hat. Manche Menschen behaupten, so viel Leistung sei gar nicht beherrschbar oder man braucht sie einfach nicht. Aber so einfach darf man es sich nicht machen. Klar beschleunigt die KTM in fast jedem Gang mit irrwitzigen Beschleunigungen hin zur nächsten Kurve und wohl dem, der weiß, wann man davor rechtzeitig den Anker werfen muss. Und zugegeben, in 90% aller Fälle ist das auf deutschen, und noch mehr auf ausländischen, Bundesstraßen, mehr als genug. Also wozu 140 Newtonmeter und 160 PS?

Ich war einmal mit Sozia unterwegs und näherte mich von hinten einer großen Straßenmaschine, ich denke es war eine Honda CBR 1000 F. Der Fahrer oder die Fahrerin waren flott unterwegs. Auf einer engen Bergstraße im Odenwald wollte ich sie überholen: mit einem raschen Schlenker in Nullkommanichts vorbei. Diesmal hatte ich aber das Gefühl, als ob etwas nicht stimmt, die Maschine entwickelte nicht ganz die Kraft, die ich von ihr gewohnt war. Gleich nach dem Manöver begann ich darüber nachzudenken, was für ein Problem die Maschine haben könnte.

Da viel auf einmal der Groschen! Ich hatte die Maschine am Tag davor in den Regenmodus geschaltet, da hat sie nur noch 100 PS! 🙂 Da wurde mir plötzlich klar, dass man den Unterschied sehr wohl spürt. Ich hatte mich an die 160 Pferdchen längst gewöhnt und wusste sie auch beizeiten einzusetzen. Zusammen mit der Sozia hatte ich aber an diesem Tag eine behutsamere Gangart als üblich gewählt und so bis zum Überholmanöver den Unterschied nicht gemerkt!

Im Vergleich mit dem Honda CB 1000 R Vierzylinder ist es nicht immer egal, in welchem Gang man gerade fährt. Trotz des schon ab 2500 u/min hohen vorhandenen Drehmoments kommt es bei langsamer Fahrt durchaus zum Ruckeln.

Noch etwas zum Begriff Reiseenduro: Wer dabei an eine echte Enduro denkt, also ein Motorrad, welches neben dem Einsatz auf der Straße auch im Gelände eine gute Figur abgibt, der liegt bei Maschinen in der Gewichtsklasse der KTM 1290 auf jeden Fall falsch! Für mich sind diese Kolosse Motorräder, die im wesentlichen nur auf der Straße bewegt werden sollten. Dafür machen sie ihren Job auch auf sehr schlechten Straßen sehr gut! Fährt man mit ihnen ins Gelände, auf Schotter- oder Feldwegen, so klappt das im allgemeinen auch, es ist aber mit hoher Anspannung und Konzentration verbunden. Auf echten Motocross Strecken hat man damit eher nichts verloren. Auf Youtube gibt es Aufnahmen (https://www.youtube.com/watch?v=ZV5HEqyXmUY), die einem suggerieren, dass man mit so großen Reiseenduros auch fliegen kann. Ja, offensichtlich gibt es Menschen, die ein Landtier zum Vogel machen können, aber ich kann das nicht!

Die KTM 1290 benötigt Mann nur, wenn er voll beladen auf Reisen mit Sozia unterwegs ist und er dabei in Italien auf kurvenreichen Passstraßen wie gewohnt (also wenn er alleine fährt) flott, an im Wege befindlichen Blechdosen, vorbei kommen will. 🙂

KTM 690 Enduro R

67 PS, 68 Nm bei 6.000 u/min

Und was fährt dieser Mann am liebsten? Die KTM 690 Enduro R! Sie hat von den drei Maschinen am wenigsten Leistung und doch mehr als genug, um jede Menge Fahrspaß zu erleben. Aber wie kann das sein, wenn doch jeder am liebsten dass Motorrad kaufen möchte, dass gerade am stärksten ist? Denn anders ist es nicht erklärbar, das in den jährlichen Tests etablierter Maschinen jedes neu hinzugekommene Leistungsfitzelchen extra gewürdigt wird. Ist der Motorradkauf wirklich nur eine Art virtueller Schwanzvergleich? Mehr nicht? Es gibt einiges, was dafür spricht: Es ist weder erlaubt, noch möglich, 160 PS in Motorradform auf unseren Straßen auszufahren und ich vermute, dass die wenigsten Käufer damit auf die Rennstrecke gehen.

Ihre Stollenreifen sind auf deutschen Teerstraßen zwar nicht ideal, dafür aber auf Reisen in ferne Länder und auf schlechten Wegen. Der standardmäßig montierte Enduro 3 Sahara ist aber eher für die Straße, als für echtes Gelände gedacht. Gelegentliche Fahrten auf nassen Naturwegen oder Wiesen zeigen schnell die Grenzen auf.

Aber das sind Details. Was die KTM 690 Enduro R ausmacht, sind ihre 67 PS, ihr relativ geringes Gewicht von getankt etwas über 150 kg und ihre Größe. Sie ist nämlich ziemlich hoch und dadurch unter Umständen für kleinere Fahrer nicht ideal (Für die ist vielleicht die Duke interessant). Das geringe Gewicht erlaubt in Verbindung mit den 67 PS absolut spaßige Fahrleistungen. Es ist überhaupt kein Problem mit ihr Wheelies zu fahren. Mühelos kommt sie bei geeignetem Dreh am Gasgriff auf das Hinterrad, ohne das man irgendwie am Lenker nachhelfen muss. Und auch Geschwindigkeiten weit über 100 km/h erreicht sie in Nullkommanichts. Allerdings führt ihr hochbeiniger Enduro Charakter in Verbindung mit einem fürs Gelände eingestellten Fahrwerk dann zu heftigem Lenkerschlagen und es erfordert einen coolen Fahrer, um die Sitzposition und den Gasgriff so behutsam zu führen, dass die Maschine mit der hohen Geschwindigkeit gefahren werden kann. Üblicherweise spielt dies aber nur bei schnellen Fahrten auf der Autobahn und mit viel Gepäck und Koffern eine Rolle.

Noch einmal zurück zum Fahrspaß: Auf freier Strecke dauert es mit einer KTM 1290 nur Sekunden die nächste Kurve zu erreichen. Für einen kurzen Moment habe ich da den Beschleunigungsspaß und dann muss ich schon wieder bremsen und acht geben, nicht am nächsten Straßenrand in den Graben zu rutschen. Die meiste Zeit beim Fahren nutze ich nur einen Bruchteil ihrer Fähigkeiten. Mit der KTM 690 dagegen habe ich die ganze Zeit Fahrspaß. Ich spüre wie der Motor hoch dreht, schalte rechtzeitig, bevor der Kraftfluss wieder geringer wird, in den nächsten Gang und erlebe so den Explosionsmotor in seiner ganzen Vielfalt. Ich nutze seine Bandbreite komplett aus und habe nie das Gefühl, wie bei der KTM 1290, die meiste Zeit nur einen Bruchteil ihrer Fähigkeiten zu verwenden und mich darum schlecht zu fühlen. Ihr könnt jetzt sagen, dass ich einfach nur ein schlechter Fahrer bin, aber das glaube ich nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, das auch der weltbeste Fahrer auf öffentlichen Straßen die KTM 1290 ausreizen kann. Aber auch die KTM 690 hat so viel Power, das ich gefühlvoll mit ihr umgehen muss, um nicht durch durchdrehende Räder plötzlich auf der Nase zu liegen.

Die Faszination eines Einzylinders: Aus mir unverständlichen Gründen gibt es immer weniger Motorräder mit großem Einzylinder zu kaufen. Dabei finde ich diesen Motortyp ungemein faszinierend. Die Bauart an sich erinnert an einen Lanz Bulldog oder an eine große Dampfmaschine. Ok, wahrscheinlich ist das der Grund! Aber wer bei der KTM 690 an einen gemächlich vor sich hin tuckernden Traktor denkt, hat nur die halbe Wahrheit verstanden. Denn wie dieser Motor blitzschnell und mit enormer Power nach oben dreht, ist eine wahre Pracht und macht beim Fahren süchtig, diesen Moment immer und immer wieder zu spüren. Es ist diese Kombination einer uralten Technologie, also die des primitiven Explosionsmotors, verbunden mit modernster Computertechnik, die ihn in allen Belangen steuert, die einem beim Fahren mit der KTM 690 so viel Freude erleben lässt. Der Einzylinder der KTM kann auch nicht wirklich langsam vor sich hin tuckern, da ihm dazu die Schwungmasse alter Traktormotoren fehlt. Darum dreht er schon im Standgas immer ein bisschen höher, als man dies bei dieser Kolbengröße assoziieren würde. Aber genau die fehlende Schwungmasse befähigt ihn eben, bei einem kleinen Dreh am Gasgriff, mit ungeheurer Wucht in, für Einzylinder, unbekannte Drehzahlhöhen vorzustoßen. Was für ein Motor!

Ein Problem hat die KTM 690 aber, denn mit der Leichtigkeit, mit der sie gefahren werden kann, macht sie unglaublich viel Lust auf Fahrten durch Wald und Wiese und dies ist in Deutschland, bis auf wenige Ausnahmen, nicht erlaubt. Fürs echte Crossen ist sie vermutlich 50 kg zu schwer, aber alles andere meistert sie mühelos.

Zum Glück ist es dank der Firma Touratech möglich, sie in eine Reisemaschine zu verwandeln und so ferne Länder zu befahren, in denen es noch möglich ist, abseits geteerter Straßen, oder weil erst gar keine solchen vorhanden sind, die Freude am Geländefahren auszuleben.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.