Ugreen bringt mit NASync iDX6011 und iDX6011 Pro zwei KI-fokussierte NAS an den Start: Intel Core Ultra (bis 7 255H, 96 TOPS), sechs 3,5-Zoll-Slots plus zwei M.2, maximal 196 TB, 2x 10GbE, 2x Thunderbolt 4, HDMI 2.1, beim Pro zusätzlich OCuLink und ein 3-Zoll-Display. UGOS Pro setzt auf RAID 0/1/5/6/10 mit Btrfs/ext4, kein ZFS, keine Volumenverschlüsselung à la Synology, vieles läuft via Docker (z. B. Plex/Jellyfin). Die lokale KI sortiert Fotos, erkennt Duplikate und bietet einen AI-Chat, wirkt aber noch unfertig; die Suche ist begrenzt und funktioniert nur mit Ugreen-Apps. Geräuschpegel 29–34 dB, Angaben zum Stromverbrauch fehlen, Start über Kickstarter im März – nach vorheriger Verzögerung.
Zara: Mir fällt zuerst der Kickstarter-Start eines großen Zubehöranbieters auf – inklusive Verzögerung seit 2025. Das sendet kein Reife-Signal, ebenso wie die Softwareeindrücke: KI wirkt unfertig, Suche eingeschränkt, vieles nur über Ugreen-Apps, und Plex nativ fehlt. Für ein Always-on-Gerät wie ein NAS sind fehlende Leistungsaufnahmen ein echtes Manko, gerade wenn Core-Ultra-CPUs und KI-Modelle im Spiel sind. Dazu kommt die Hürde für Einsteiger, wenn zentrale Use-Cases in Docker ausgelagert werden.
Kael: Klar, die Software braucht Feinschliff, aber die Hardware ist außergewöhnlich: Core Ultra 7 255H mit 96 TOPS, 2x 10GbE, zwei TB4, HDMI 2.1, OCuLink und sogar PCIe Gen4 x8 – das ist mehr Workstation als NAS. TB-Networking als superschnelles Direct-Link ist im Studio-Alltag Gold wert, und der SD-Reader plus reichlich USB runden das ab. Die lokale KI adressiert Datenschutzbedenken, und die mobile App inkl. Transkription ist schon heute nützlich. Für mich riecht das nach starker Basis, die per Software wachsen kann.
Zara: Basis hin oder her – die Plattformentscheidungen tragen Konsequenzen. Kein ZFS, stattdessen klassische RAID-Levels und Btrfs/ext4, und vor allem keine Volumenverschlüsselung wie bei Synology; der „Tresor“ überzeugt nicht. Wer aus dem Karton ein vollständiges Ökosystem will, merkt schnell die Lücken: Backup-Suite, Mediaserver, Fotomanager – vieles muss man sich zusammendocken. Die KI-Extras klingen nett, aber wenn die Suche nicht systemweit greift, bleiben die Vorteile theoretisch.
Kael: Docker heißt aber auch Freiheit: Plex/Jellyfin mit Hardware-Transcoding (wenn korrekt aktiviert), Datenbanken, Automatisierung – das skaliert mit der starken CPU/GPU/NPU. UGOS Pro entwickelt sich, und Ugreen erlaubt traditionell alternative OS-Ansätze, was Power-Usern Luft verschafft. Die Foto-KI, Duplikaterkennung und lokale Transkription sind konkrete Mehrwerte, die sofort greifen, ohne Cloud-Zwang. Ich sehe hier ein System, das Bastlern und Pros Werkzeuge gibt – statt sie auf Schienen zu setzen.
Zara: Bleibt die Alltagstauglichkeit: 29–34 dB sind okay, aber der Testautor ist bereits genervt, und mechanische HDDs bremsen 10GbE ohnehin. Ohne geprüfte Verbrauchswerte kann ich die TCO nicht beurteilen – bei 24/7-Betrieb kritisch. OCuLink für eGPUs ist spannend, aber eher Nische; genauso das 3-Zoll-Display, dessen Mehrwert sogar im Text relativiert wird. Das alles wirkt wie „Feature-Fülle zuerst, Konsistenz später“.
Kael: Für Creator-Workflows zählt, dass ich Wahlfreiheit habe: 10GbE fürs Netz, TB4 für direkte, sehr schnelle Link-Transfers samt Power Delivery, NVMe-Cache gegen HDD-Flaschenhälse. OCuLink ist ein Joker für Peaks bei Transcoding oder KI, nice to have statt Pflicht. Ja, das Display ist Beiwerk, aber das Gehäuse, der Luftstrom und der magnetische Staubfilter sind praxisrelevant. Die Plattform fühlt sich wie ein Hybrid aus NAS und Desktop-Dock an – das ist gerade der Charme.
Zara: Bei der KI stört mich die geschlossene Modell-Auswahl und dass man vieles separat bestätigen muss – Reibungspunkte, bevor Nutzen entsteht. Die fehlende Dateisuche via KI und die Bindung an Ugreen-Apps beschneiden den versprochenen „Assistenten fürs Ganze“. Demos auf Messen setzen Erwartungen, die Vorserien-Software aktuell nicht einlöst. Und wenn ich dann ohnehin Docker bemühen muss, verpufft der „einfach lokal, ohne Cloud“-Pitch ein Stück weit.
Kael: Vorserienstatus bleibt der Kontext. Positiv: Offline-Objekt-, Personen- und Text-Erkennung laufen lokal, auf Wunsch ergänzt um OpenAI-Key oder Cloud – das ist pragmatisch. Wenn Ugreen die KI-Suche systemweit öffnet und Modelle freier wählbar macht, kippt der Nutzen schlagartig nach oben. Mir gefällt, dass sensible Medienbibliotheken zu Hause bleiben können und trotzdem komfortabler werden.
Zara: Strategisch sehe ich die Lücke zu Synology: Wer Active Backup, Hyper Backup oder nahtlose Ökosysteme braucht, bekommt das hier nicht. Und die Community ist skeptisch, gerade was Support-Tempo und „erst Hardware, dann Software“-Denke betrifft. Wenn ich ohnehin für das OS mitbezahle, das mir reifere Funktionen noch nicht liefert, ist der Sweet Spot schwer zu treffen. Für mich ist das aktuell eher eine Plattform für Tüftler als für Admins, die „einrichten und vergessen“ wollen.
Kael: Der Pitch ist Hardware-first, Software folgt – und das kann aufgehen, weil 2x 10GbE plus 2x TB4 und KI-beschleunigte Intel-CPUs in dieser Klasse selten sind. Wer Docker beherrscht, kann heute schon viel überbrücken und die Rechenleistung ausnutzen. Für konservative Setups: abwarten, bis UGOS Pro reift, echte Verbrauchsdaten vorliegen und die KI-Suche breiter greift. Für Early Adopter könnten die Kickstarter-Konditionen den Einstieg versüßen.
Fazit: Ugreens iDX6011(Pro) liefert beeindruckende Workstation-Hardware im NAS-Formfaktor und positioniert sich als Hybrid aus Netzspeicher und Direktspeicher via TB4. Die Softwareseite hinkt jedoch: kein ZFS, keine Volumenverschlüsselung à la Synology, viele Kernfunktionen nur via Docker und eine lokal gedachte KI, die noch zu eng geführt ist. Wer Docker mag und starke Connectivity plus KI-Beschleuniger will, findet ein spannendes Spielbein. Wer ein ausgereiftes, integriertes NAS-Ökosystem erwartet, sollte auf UGOS-Updates, klare Leistungs-/Verbrauchsdaten und eine breitere KI-Suche warten.

