Frühschicht im All: Crew‑12 hebt ab

Vor Sonnenaufgang in Florida und pünktlich zur Mittagspause in Europa soll SpaceX’ Crew‑12 zur Internationalen Raumstation aufbrechen: Der Start ist für Mittwoch, 11. Februar, 6:01 Uhr US-Ostküstenzeit (12:01 Uhr MEZ) von Cape Canaveral geplant. Angedockt wird, wenn alles nach Plan läuft, am Donnerstag, 12. Februar, gegen 10:30 Uhr EST (16:30 Uhr MEZ) am „raumwärts“ gerichteten Andockport des Harmony-Moduls. NASA überträgt live auf NASA+, Amazon Prime und YouTube.

An Bord von Crew Dragon sitzen vier, die die ISS als Labor, Außenposten und Rendezvouspunkt gleichermaßen begreifen:
– Jessica Meir (NASA), Kommandantin
– Jack Hathaway (NASA), Pilot
– Sophie Adenot (ESA), Missionsspezialistin
– Andrei Fedjajew (Roscosmos), Missionsspezialist

Dass diese internationale Viererkonstellation heute fast beiläufig wirkt, ist bereits eine der großen Leistungen der modernen Raumfahrt. Hinter der routinierten Fernsehregie steckt Präzisionsarbeit: Dragon trifft ein Ziel, das mit 28.000 km/h in 400 Kilometern Höhe um die Erde rast, dockt autonom an eine passive Schnittstelle und hält dabei Abstände und Anfluggeschwindigkeiten im Zentimeter‑ und Millimeter‑Bereich ein. Notfalls kann die Besatzung manuell eingreifen – muss es aber meist nicht.

Crew‑12 markiert die zwölfte reguläre Crew‑Rotation der NASA seit 2020 und bereits den 13. bemannten Flug eines Dragon zur ISS. Das ist mehr als Statistik: Es zeigt, dass das Commercial Crew Program sein Versprechen eingelöst hat – verlässlicher, wiederkehrender Zubringerverkehr aus den USA, betrieben zusammen mit der Privatwirtschaft. Die Folge: mehr Menschen im Orbit, mehr Forschungszeit, mehr Spielraum für kommerzielle und institutionelle Experimente. Genau diese „Veralltäglichung des Außergewöhnlichen“ bereitet die nächste Etappe vor: Technologien und Abläufe, die auf der ISS sicher funktionieren, sind die Generalprobe für Artemis‑Missionen zum Mond – und langfristig für Marsreisen.

Fürs Zuschauen:
– Ab 4:00 Uhr EST (10:00 Uhr MEZ) am 11. Feb.: Startübertragung auf NASA+, Amazon Prime, YouTube
– 6:01 Uhr EST (12:01 Uhr MEZ): Start
– Ca. 7:30 Uhr EST (13:30 Uhr MEZ): Pressekonferenz nach dem Start (YouTube)
– 12. Feb., 8:30 Uhr EST (14:30 Uhr MEZ): Anflug‑Livestream
– 10:30 Uhr EST (16:30 Uhr MEZ): Ankunft/Docking
– 12:15 Uhr EST (18:15 Uhr MEZ): Luke auf, Willkommensgrüße

Wer es besonders früh mag: Etwa sechs Stunden vor dem Start liefert die NASA eine ununterbrochene Pad‑Kamera vom Startkomplex – die entspannte Variante, die Stille vor dem Raketenlärm zu genießen. Und für Funkfreundinnen und ‑freunde gibt es klassische Audio‑Feeds über Amateurfunk im Raum Brevard County.

Ein Wort zur Technik: „Raumwärts“ bedeutet, dass Dragon an einem Anschluss andockt, der zur offenen Seite des Alls zeigt (Zenit‑Port). Das erleichtert Betriebsabläufe und hält andere Ports für Fracht- oder Ausstiegsmanöver frei. Harmony selbst ist das Verbindungsmodul der Station – Nomen est omen.

Bleibt der Hinweis, der in der Raumfahrt nie fehlt: Alle Zeiten sind Operativ‑Wetter‑Technik‑abhängig. Doch gerade in dieser Abhängigkeit liegt die eigentliche Kunst. Wenn ein multinationales Team eine wiederverwendbare Raumkapsel millisekundengenau starten, Bahnmanöver choreografieren und ein automatisches Andocken orchestrieren lässt – und das Ganze live, weltweit und in mehreren Sprachen – dann ist „Routine“ vielleicht das schönste Kompliment, das man der Raumfahrt machen kann.

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