Nvidia bringt eine native GeForce-Now-App für Desktop-Linux in die Beta. Sie baut auf der Steam-Deck-App auf, verspricht bis zu 5K/120 oder 1080p/360, RTX-5000-Features wie 4:4:4-Chroma auf GeForce, aber noch kein AV1, HDR-Probleme und kein Cloud-GSync. Installation via Flatpak, offizielle Basis Ubuntu 24.04, Hardware-Decoder für H.264/H.265-Vulkan nötig, x86-only. Der Katalog ist groß, aber volatil; neue 100-Stunden-Monatslimits treffen fast alle. Im Test lief die App auf AMD und Nvidia stabil und umgeht Anti-Cheat-Hürden.
Zara: Schön, dass es endlich eine native App gibt, aber die Baustellen sind zahlreich: kein AV1 unter Linux, HDR zickt, Cloud-GSync fehlt und die merkwürdige Zweiklassengesellschaft X11 für GeForce versus Wayland für AMD/Intel. Dazu x86-only und ein Katalog, der jederzeit schrumpfen kann. Mit dem neuen 100-Stunden-Limit wirkt das für Power-User ziemlich restriktiv. Für wen ist das wirklich der Gamechanger?
Kael: Für alle, die wegen Anti-Cheat und Proton-Fallschlingen an Linux scheitern oder auf älterer Hardware sitzen. Die App nimmt Rendering vom Client, liefert 5K/120 oder 1080p/360, und mit Ultimate gibt’s RTX-4080- bis teils 5080-Performance plus 4:4:4 auf GeForce. Installation via Flatpak ist simpel, Autostart am TV ebenso. Beta heißt: Features wie AV1 kommen wahrscheinlich nach, aber spielbar und alltagstauglich ist es schon jetzt.
Zara: Bild- und Bandbreitenrealität bleibt kritisch. Ohne AV1 steigen Bitraten, ISPs drosseln gerne, und ohne sauberes HDR wirkt das Wohnzimmer-Argument wackelig. Cloud-GSync fehlt für variable Refresh-Ketten. Außerdem verlangt Nvidia das Verknüpfen diverser Launcher; wenn Publisher abspringen, ist das Spiel weg. Install-to-Play mit 100 GB wirkt auch eher knapp.
Kael: H.265 mit 4:4:4 auf GeForce liefert trotzdem sehr sauberes Bild, und die App erlaubt die klare Priorisierung zwischen Qualität und Latenz; im Test lief es selbst bei dünnem Downstream erstaunlich rund. HDR ist ärgerlich, aber auf Linux noch selten stabil; Cloud-GSync ist Nische. 100 GB reichen, weil Installationen serverseitig liegen. Launcher-Verknüpfung ist gängige Praxis und schafft Rechtssicherheit.
Zara: Die Systemvoraussetzungen sind nicht trivial: Mesa ab 24.2.8, Nvidia-Treiber ab 580.126.09, offiziell Ubuntu 24.04. Rolling- oder ältere LTS-User müssen aufpassen. Dass Nvidia für die eigenen Karten X11 empfiehlt, zeigt die Wayland-Baustelle. Und selbst mit Cloud-Streaming bleibt die Publisher-Willkür: Heute spielbar, morgen verschwunden.
Kael: Praxis schlägt Papier: Auf CachyOS lief es, auch mit Wayland und 590er-Treiber. Flatpak glättet die Distro-Kanten. Der Katalog ist mit rund 2.300 sofort spielbaren plus etwa 2.000 Install-to-Play-Titeln groß genug, um viel abzudecken. Für Windows-Umsteiger, die an ein, zwei Anti-Cheat-Titeln hängen, ist das eine probate Brücke – ohne neue Hardware.
Zara: Preislich sehe ich Reibung: 10,99 Euro für Performance, 21,99 für Ultimate, dazu muss man die Spiele besitzen, und jetzt das 100-Stunden-Limit für fast alle. Für Vielspieler und E-Sportler werden Latenz plus Cap schnell frustig. 360 FPS klingen toll, die Input-Kette bleibt aber Netz- und Standort-limitiert.
Kael: Rechne die Total Cost of Ownership gegen: Keine 1.000–2.000 Euro für High-End-GPU, weniger Strom, weniger Lärm. Für Story- und AAA-Spieler ist die Latenz oft okay, Rechenzentren stehen dicht. 4K/240 oder 5K/120 sind ein echter Mehrwert, und Raytracing-Verluste, die Linux lokal gegenüber Windows hat, entfallen komplett.
Zara: Ich sehe zudem Vendor-Lock-in-Tendenzen: Das bessere Chroma-Subsampling gibt’s nur auf GeForce, AMD/Intel schauen in die Röhre. Das sendet ein schiefes Signal an die Linux-Community. Und der Browser-Login wirkt in einer nativen App etwas angeflanscht.
Kael: Multivendor funktioniert grundsätzlich, der Bonus auf GeForce ist erwartbar, aber kein Ausschluss für Radeon-User. Browser-Login ist üblich für SSO und Sicherheit; Feinschliff kommt. Dass die Deck-App bereits viel gutgemacht hat, spricht dafür, dass die Desktop-App ähnlich reift.
Zara: Unterm Strich liefert die Beta solide, aber die Limitierungen bleiben: AV1 fehlt, HDR hakt, Cloud-GSync fehlt, Wayland/X11 ist inkonsistent, x86-only schließt ARM aus, der Katalog bleibt volatil und das 100-Stunden-Limit bremst. Für Linux-Neugierige mit Anti-Cheat-Games, für Steam-Deck-Besitzer und für ältere PCs ist es eine echte Chance. Wer perfektes Wohnzimmer-HDR, maximale Kontrolle und garantierte Bibliotheken will, sollte abwarten. Fazit: Starker Schritt für Linux-Gaming, noch keine Zielgerade – aber der richtige Kurs.

