Intel hat mit Panther Lake seine nächste mobile CPU-Generation skizziert: ein stark mobilfokussiertes Chiplet-Design mit CPU-Die in Intel 18A, zwei GPU-Tile-Optionen (Intel 3 oder TSMC N3E), IO in TSMC N6 und Foveros‑S-Packaging. Im Zentrum stehen neue Darkmont‑E‑Cores, ein eigenständiger LPE‑Cluster auf dem CPU‑Die, eine effizientere, weiterhin 50‑TOPS‑NPU und eine Xe3‑iGPU, dazu LPDDR5X‑9600 und überarbeitete Scheduling‑Mechaniken. Konkrete Modelle, TDPs und Taktraten folgen zur CES 2026.
Zara: Viel Ankündigung, wenig echte Architekturrevolution: Bei den P‑Cores wirkt Cougar Cove wie ein kleiner Refresh ohne IPC‑Angabe und ohne neues SMT, dafür nur vier Threads bei vier Kernen. Die gezeigten Single‑Core‑Zuwächse könnten schlicht aus 18A‑Taktvorteilen stammen. Auch bei der GPU sind 50 Prozent Plus primär mit mehr Einheiten, Fläche und Power erkauft. Und die NPU bleibt bei 50 TOPS – Effizienz schön und gut, aber in Summe fühlt sich das eher nach „Tick“ als nach Durchbruch an.
Kael: Genau das ist der Punkt: Panther Lake ist bewusst ein Prozess‑ und Effizienz‑Release. Der Rückzug von SoC‑Funktionen in den CPU‑Tile, das eigenständige 4‑Kern‑LPE‑Cluster und PowerVia/GAA in 18A adressieren Mobil‑Bottlenecks direkt. Wenn du im Multicore Arrow Lake‑H bei 30 Prozent weniger Verbrauch erreichst oder übertriffst und Alltagslasten auf den LPEs bleiben, ist das für Akkulaufzeit und Reaktionszeit ein spürbarer Schritt – ganz im Sinne moderner, „Arm‑ähnlicher“ Lastverteilung.
Zara: Das mehrgleisige Foundry‑Setup bleibt ein Risiko: CPU in 18A, kleine GPU in Intel 3, große GPU sowie IO bei TSMC. Dass die große iGPU bei N3E bleibt, zeigt, dass Kapazität, Timing oder Performance intern (noch) nicht reichen. Marketing‑Kennzahlen wie „bis zu 180 TOPS“ addieren NPU und GPU, die nie gleichzeitig sinnvoll ausgelastet werden. Und ohne Desktop‑Sockel sowie unklaren TDPs bis 2026 bleibt viel Unsicherheit. Auch die neue Profilsteuerung klingt gut, kann Tests aber verkomplizieren.
Kael: Es ist pragmatisch. Intel 3 ist mit Granite Rapids/Clearwater Forest gut ausgelastet, N3E ist erprobt – so maximierst du Yield und Time‑to‑Market. Der IO‑Tile auf N6 hält Kosten niedrig. Funktional kommt mehr als Marketing: größerer L1/L2 bei Xe3, Side‑Cache auf dem CPU‑Die, schneller Speicher bis LPDDR5X‑9600 für die große GPU und ein Thread Director, der LPE/E‑Cores bevorzugt, ohne die P‑Cores für Spitzenlasten zu opfern. Das zahlt direkt auf Effizienz pro Workload ein.
Zara: Bei den Cores bleibt die Asymmetrie: P‑Cores ohne HT und ohne greifbare IPC‑Zahl, während die E‑Cores mit Darkmont groß auftrumpfen – allerdings stützt sich die 17‑Prozent‑IPC‑Aussage auf den Server‑Vergleich zu Crestmont; mobil gab es bereits Skymont. Zudem gibt es einen kleinen CPU‑Die ganz ohne E‑Cores – das „abschneiden“ wirkt zwar effizient in der Fertigung, könnte aber je nach SKU stark unterschiedliche Erfahrungswerte erzeugen.
Kael: SKU‑Breite ist wichtig für OEMs. Selbst die kleine Variante profitiert vom LPE‑Cluster für Leerlauf‑ und Light‑Load‑Szenarien. Und 18A sollte sauberere Power Delivery und Frequenzen bringen – die prognostizierten >10 Prozent bei SPEC auf gleichem TDP sind im Mobile‑Kontext relevant. Der große Architektur‑Sprung kommt mit Nova Lake; Panther Lake liefert vorher die „saubere“ Grundlage: Packaging gereift, Strompfade stabil, Scheduling verfeinert.
Zara: Zur Grafik: 12 Xe3‑Cores sollen dGPU‑frei „performante“ Notebooks ermöglichen, aber das wird am Thermik‑Budget hängen. Das Priorisieren von E‑Cores, um mehr GPU‑Powerbudget zu schaffen, kann in CPU‑sensiblen Spielen limitieren. Dazu setzt Intel stärker auf XeSS samt Multi Frame Generation – hilfreich, aber auch eine Krücke. Unklar bleibt die Treiberreife und ob LPDDR5X‑9600 Bandbreiten‑Engpässe wirklich entschärft. Die 4‑Core‑iGPU‑Variante wirkt sehr knapp.
Kael: In der Zielklasse ist Upscaling inzwischen Standard – bei Nvidia und AMD ebenso. Größere Caches reduzieren RAM‑Trips, und die H‑Klasse bringt acht PCIe‑5.0‑Lanes, falls OEMs eine schlanke dGPU ergänzen wollen. Plus die aktualisierte Media‑Engine und IPU neben den LPE‑Cores für effiziente Video/Kamera‑Workflows. Das ist ein rundes Mobile‑Paket, nicht nur ein GPU‑Update.
Zara: Beim Thema AI bleibt die Frage der Differenzierung: 50 TOPS sichern Copilot+‑Badging, aber Mitbewerber werden höhere Zahlen kommunizieren. Klar, FP8/INT8‑Support und Effizienz zählen im Alltag – dennoch hängt der Nutzen stark von der Software‑Seite ab. Die Addition von GPU‑TOPS zur NPU ist kommunikativ irreführend, und Entwicklerprioritäten zwischen NPU und GPU sind noch im Fluss.
Kael: Real‑World‑AI am Notebook ist oft speicher‑ und energiebegrenzt. Eine kompaktere, effizientere NPU mit FP8/INT8 entlastet den Akku bei Daueraufgaben, während die iGPU Peak‑Lasten fängt. Das spart Die‑Fläche, gibt Budget an E/LPE‑Cores und GPU zurück und passt zur Gesamtstrategie: mehr Arbeit auf effizienten Einheiten, P‑Cores für die Spitzen.
Zara: Unterm Strich sehe ich viele richtige Stellschrauben, aber auch etliche „wenn“ und „aber“, die erst die Praxis klärt: 18A‑Taktraten, reale GPU‑Treiber‑Performance, das Zusammenspiel von LPE/E/P‑Cores und die Wirkung der neuen Profilsteuerung.
Kael: Und genau dort setzt Panther Lake an: Effizienz vom Silizium über Packaging bis zum Scheduler, plus pragmatisches Foundry‑Mix‑&‑Match. Wenn die versprochenen Power‑Vorteile halten und die E‑/LPE‑Cores die Alltagslast sauber tragen, könnte das 2026er‑x86‑Notebook spürbar runder werden – ohne auf brachiale P‑Core‑Zahlen setzen zu müssen.
Fazit: Panther Lake ist weniger Glanzstück als bewusstes Mobil‑Update: neuer Prozess, rezentrierte SoC‑Funktionen auf dem CPU‑Die, ein starker Darkmont‑E‑ und LPE‑Fokus, eine effizientere, wenn auch nicht stärkere NPU und eine überarbeitete Xe3‑iGPU. Die Versprechen liegen klar bei Effizienz, Akkulaufzeit und konsistenter Responsiveness; die großen Architektur‑Sprünge folgen mit Nova Lake. Offene Punkte sind TDP/Taktraten, Treiberreife und die echte Performance jenseits der Folien. Gelingt die Umsetzung, ist Panther Lake ein sinnvoller Schritt für mobile x86‑Notebooks; scheitert sie, bleibt es ein solider „Tick“ ohne Wow‑Moment.

