Focus Stacking mit der Sony A7 II

Letztens habe ich wieder wunderbare Bilder eines Makrofotografen gesehen. Neben den ästhetisch schönen Aufnahmen fasziniert mich bei den Bildern am meisten die durchgehend hohe Schärfe der Objekte. Da ich mich selbst gelegentlich mit Makrofotografie beschäftige, frage ich mich, wie die das geschafft haben? Denn es gibt zwei sich gegensätzlich beeinflussende Faktoren, die es sehr schwer machen, durchgängig scharfe Makrobilder machen:

Problem

  • Makroobjektive haben bei der üblichen Aufnahmeentfernung eine extrem schlechte Schärfentiefe. Um diese auszugleichen, benötige ich eine hohe Blendenzahl. Zu hoch darf sie allerdings auch nicht sein, da sonst die Beugungsunschärfe zuschlägt.
  • Um kleine sich bewegende Objekte wie Bienen und Hummeln zu fotografieren, benötige ich eine extrem kurze Aufnahmezeit, die natürlich überhaupt nicht mit der hohen Blendenzahl zusammen passt.

Dies führte bei meinen bisherigen Versuchen im besten Fall zu Bildern, bei denen ein winziger Schärfentiefebereich scharf war. Der Rest löste sich in Unschärfe auf. Also, wie machen die Makrofotografen dass mit der durchgehende Schärfe?

Lösung

Gestern traf ich beim Spazierengehen auf einen makrofotografierenden Mann, der es mir sagte: Focus Stacking! Einfach ausgedrückt: Ich mache ausgehend von der maximalen Schärfentiefe meines Objektivs so viele Bilder, bis der gesamte Abbildungsbereich erfasst ist!

Etwas präziser: Ausgehend von einer optimalen Blende, bei der ich auf die Verwacklungsunschärfe keine Rücksicht nehme, da diese Bilder sowieso mit dem Stativ gemacht werden, ermittle ich den Schärfentiefenbereich meines Objektivs. Wenn der 1 mm beträgt und das Objekt 10 cm vor meiner Linse beginnt, dann machen ich ein Bild im Abstand von 10 cm, das nächste im Abstand von 10.1 cm, dann 10.2 cm, usw., bis ich bei 11 cm angekommen bin.

Diese 10 Bilder werden jetzt mit einer speziellen Software zu einem einzigen zusammen gerechnet. Ich glaube, es gibt entsprechende Funktionen in Photoshop, aber auch in Affinity Photo. Wer die beiden nicht einsetzt, der kann auch zum kostenlosen CombineZP greifen.

Es sollte klar sein, dass ich mit der beschriebenen Methode keine sich bewegenden Objekte fotografieren kann. Insofern bleibt für mich immer noch die Frage, wie DIE DAS machen? Und ohne Stativ geht vermutlich auch nichts. Und es ist auch nicht einfach, mal eben so 10 Bilder mit einem exakten Abstand von 1 mm zueinander zu machen. Aber genau für dieses Problem gibt es mittlerweile automatisierte Lösungen. Zum Beispiel für die Sony A7 III. Bei den Traumfliegern hat jemand ein Programm entwickelt, mit dem die Kamera passend gesteuert werden kann. Dazu wird aber ein an die Kamera angeschlossenes Notebook oder Tablet mit Windows benötigt. Ganz schön viel Aufwand und Geld kostet es auch noch!

Andererseits gibt es heutzutage keine Kamera mehr, die nicht einen eingebauten Hochleistungscomputer besitzt. Warum sollte der das nicht mit erledigen können? Alle paar Sekunden den Motor der Schärfeeinstellung zu verschieben, sollte für den eigentlich kein Problem sein. Und genau so ist es auch. ‘walt_I‘ hat die Sony reversengineered und eine App entwickelt, mit der genau das möglich ist!

Ihr könnt die ‘FocusBracket’-Funktion mit Hilfe einer App von GitHub installieren. Von den dort angebotenen Dateien, ladet Ihr Euch am besten ‘pmca-gui-v0.11-win.exe’ herunter. Dann die Sony A7 II über ein USB Kabel mit Eurem Windows Computer verbinden, die App starten, mit ‘Camera info’ testen, ob überhaupt etwas geht, dann auf ‘Install app’ wechseln, aus ‘Select an app from the app list’ die ‘FocusBracket’-App wählen und mit ‘Install selected app’ auf der Kamera installieren. Voilà – es ist geschafft.

Ja aber, wo ist denn die App nun auf der Kamera? Geht mit ‘Menu’ auf der Kamera in Euer Einstellungsmenü. Der 4. Tab von links mit den 4 Quadraten ist der mit den Apps. Unter Applikationsliste findet Ihr die ‘FocusBracket’-Funktion!

Die App erlaubt es Euch den Anfang und das Ende des zu fotografierenden Bereichs interaktiv festzulegen. Danach möchte sie noch die Anzahl der zu machenden Bilder für den festgelegten Bereich. Spätestens hier wird es wieder ein wenig schwierig, denn für die Berechnung müsste ich den durch die Bereichsfestlegung definierten Abstand und die maximale Schärfentiefe kennen. Glücklicherweise gibt es auch dafür eine Lösung:

Schärfentieferechner für den Makrobereich

Warnung

Da die App ja nicht von Sony ist und ich auch nirgendwo gelesen habe, dass die App mit der A7 II funktionieren soll, übernehme ich für den Inhalt dieses Artikels keinerlei Verantwortung. Ihr macht das dann alles auf eigenes Risiko! Bei mir funktioniert es mit der Firmware Version 3.10 und Objektiv Version 01.

 

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