Retro: Ausflug mit dem GPD Pocket nach MS-DOS

Der GPD Pocket ist ein Nerd-Traum!

Der vor etwa eineinhalb Jahren erschienene Mini-Notebook kann nahezu alles, was auch ein Großer kann und ist trotzdem so klein, das man ihn in eine große Hosentasche stecken kann. Wer allerdings noch andere Computer zur Verfügung hat, wird ihn vielleicht trotz seiner Leistungsfähigkeit gar nicht so oft nutzen. Damit meiner trotzdem eine Bestimmung hat, habe ich ihn mit dem bekannten DOSEmu die Retro-Fähigkeit verpasst und viele von mir früher benutzte Programme zur Erinnerung installiert.

Einige ausgewählte Programme stelle ich hier vor:

XTree

Verzeichnisse und Unterverzeichnisse in Dateisystemen haben schon in der Anfangszeit der persönlichen Computer dafür gesorgt, dass die Navigation darin nicht einfach war. Eines der ersten Programme, die für dieses Problem eine Lösung anboten war XTree. Beim Start scannte XTree das komplette Dateisystem und zeigte es anschließend in einer hübschen Baumstruktur auf dem Bildschirm, in der man nach Belieben herum wandern konnte. Das so dargebotene Dateisystem machte es leicht, eine tatsächliche Vorstellung über die Lage der auf dem eigenen Computer befindlichen Dateien zu bekommen.

2 Funktionen von XTree nutzte ich besonders häufig: Mit der Taste ‘R’ in der deutschen Version gab ich als Dateiendung ‘*.tmp’ ein und mit der Taste ‘G’ bekam ich anschließend alle Dateien mit dieser Endung blitzartig angezeigt! Also alle Dateien mit der Endung ‘*.tmp’ in allen Verzeichnissen auf dieser Platte! Diese ließen sich jetzt mit ‘Strg-M’ markieren und ‘Strg-L’ löschen.

Wer das Programm auch heutzutage gerne einmal ausprobieren oder einsetzen möchte, sei hiermit auf den Clone ZTree verwiesen.

Das Original-XTree las beim Start immer automatisch das gesamte Dateisystem ein. Das konnte bei vielen Dateien und langsamen Computern dazu führen, dass immer einige Sekunden vergingen, bis man mit dem Programm arbeiten konnte. Da XTree aber anschließend alle Dateien kannte, war jede weitere Operation auf diesen Dateien eine Sache von Millisekunden!

Bei vielleicht 10000 Dateien funktionierte XTree wunderbar. Bei der Anzahl von Dateien auf heutigen Computern (bei mir über 600000) und dem Wunsch seiner Nutzer, alles auf Knopfdruck erledigt zu bekommen, war XTree möglicherweise nicht mehr konkurrenzfähig. Aber sicher bin ich mir da nicht. Jedenfalls konnte der später bekannt gewordene Dateimanager ‘Norton Commander’, meiner Meinung nach, XTree technisch nicht das Wasser reichen.

XTree in Wikipedia

XTree Fan Page

ZTree

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APP200 – Ein HP 200LX Emulator

Wer jemals den phantastischen HP 200LX besessen hat und vielleicht sogar im Laufe der Zeit mehrere Ersatzmodelle gekauft hat, die sich mittlerweile alle aufgelöst haben, am Scharnier gebrochen oder sonst wie kaputt gegangen sind, der freut sich vielleicht über die Möglichkeit, in einem nur wenig größeren Gehäuse den APP200 Emulator laufen zu lassen. Dazu benötigt es zwar den DOSEmu, aber dann kann man seine alten Dateien öffnen und damit arbeiten. Absolut genial!

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SPI Open Access

Vor Windows und Microsoft- und Libre-Office gabe es auch schon Suiten mit ähnlichem Anspruch und ein paar davon haben das richtig gut gelöst. Zum Beispiel Ashton-Tate Framework und SPI Open Access. Open-Access war mein erster Kontakt mit einer integrierten Gesamtlösung fürs Büro. Als ich im ersten Semester meines Informatik-Studiums einen Job suchte, fragte ich in der damalige Firma PROSYS in Darmstadt-Eberstadt an. Der Geschäftsführer Wolfram Bartussek forderte von mir als Arbeitsprobe innerhalb von zwei Wochen einen Maskenditor in der Programmiersprache von Open Access zu entwickeln. Dafür wollte er mir anfangs noch nicht einmal Geld geben. Ich willigte unter der Bedingung ein, dass ich bei Erfolg, auch diese beiden Wochen bezahlt bekam. Obwohl ich diese Programmiersprache noch nie zuvor gesehen hatte und sie für die Programmierung eines Maskeneditors völlig ungeeignet war, gelang es mir, den Maskeneditor in zwei Wochen fertig zu stellen.

Die Firma PROSYS zeichnete sich dadurch aus, dass sie versuchte für die Entwicklung von Software, selbst wiederum eigene Software-Werkzeuge zu erstellen, mit denen anschließend die Entwicklung deutlich vereinfacht werden konnte. Der Maskeneditor, den ich in der Folgezeit noch weiter entwickeln durfte, erfasste alle visuellen Attribute der Maske, wie Lage und Größe von Bezeichnungen und Eingabefeldern, in Tabellen in der Datenbank von Open Access. Diese Informationen konnten dann genutzt werden, um automatisch Programmcode für einen größeren Computer zu generieren. Soweit ich noch weiß, erzeugte PROSYS damit unter anderem Anwendungen für die Firma Böhringer Ingelheim und für eine eigene Versicherungssoftware.

Im Gegensatz zu Microsoft Office mit seinem – zumindest damals, wenn überhaupt – lächerlichem ‘Microsoft Access’, besaß Open Access eine voll integrierte relationale Datenbank incl. der Möglichkeit programmgesteuert mit SQL-Abfragen darauf zuzugreifen. Darum war es mit Open Access sehr leicht Datenbankanwendungen zu entwickeln. Open Access kannte die Beziehungen der Tabellen von relationalen Datenbanken und unterstützte halbautomatisch die Entwicklung von passenden Oberflächen dafür.

Ich bin damals erstmals mit Datenbanken in Kontakt gekommen. Anfangs dachte ich, das man so etwas nicht benötigt. Ich dachte das man alles einfach so programmieren kann. Es dauerte ein bisschen, bis ich das Konzept wirklich verstanden hatte, aber seither liebe ich Datenbanken.

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Derive

Obwohl ich von Mathematik fasziniert bin, bin ich nicht sonderlich gut darin. Als ich ein erstes Verständnis von der Funktionsweise von Computern und vom Programmieren hatte, fing ich an darüber nachzudenken, wie man einem Computer Mathematik beibringen konnte. Die ersten von mir erdachten Lösungsansätze waren aber vage Gebilde und da ich nicht genug von Mathematik verstand, war es schwierig sie zu verifizieren. Für mich war es eine große Herausforderung, vor der ich sehr viel Respekt hatte.

Als ich dann das erste Mal in meinem Leben mit einem Computer Algebra System konfrontiert wurde, war ich sehr beeindruckt! Es war das von David Stoutemyer und Albert Rich von Soft Warehouse, Inc. (Honolulu, Hawaii) entwickelte Derive. Alles hat mich zum damaligen Zeitpunkt daran beeindruckt:

  • Es konnte Gleichungen nach X auflösen.
  • Es arbeitete nicht numerisch, sondern verstand die eingegebenen Ausdrücke wie ein Mensch.
  • Es hatte eine ‘History’-Funktion, mit der man die bisher erarbeiteten Ausdrücke immer wieder ansehen und neu bearbeiten konnte.
  • Es konnte 2D- und 3D-Grafiken zeichnen
  • Es besaß eine beliebige Genauigkeit.
  • Es hatte ein integriertes Fenstersystem
  • Die Entwickler lebten auf Hawaii!

Ich hatte Derive als Raubkopie von einem Kommilitonen bekommen, der selbst nicht wusste, was er mir da für ein Programm gab. Anfangs habe ich nicht verstanden wie das Programm funktioniert. Ich gab aber nicht auf es verstehen zu wollen und habe einige Zeit damit verbracht seine Bedienung zu verstehen. Als ich dann das erste Mal eine Gleichung damit auflöste, hat das eine ungeheure Faszination bei mir ausgelöst, die bis heute andauert.

‘Der Hammer’ aber war, dass es das Programm auf einer PCMCIA-Karte zu kaufen gab, die in einen winzigen MS-DOS fähigen HP 95LX passte! Ich war damals schon Nerd und besaß so ein Gerät. Darum wollte ich diese Karte unbedingt haben und hoffte, dass sie mir bei Klausuren im Studium und bei meinen Problemen mit Mathematik helfen würde.

Letztlich hat das nicht geklappt.

Derive wurde später an Texas Instruments verkauft und in die bekannten Taschenrechner TI-89 und TI-92 eingebaut. Dabei wurde auch die beliebig einstellbare Genauigkeit gekappt.

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BrainStorm

Ich erwähnte ja schon bei ‘XTree’ meine Faszination an der grafischen Darstellung von verzweigten Systemen. XTree zeigte mir, dass es auf einem Klötzchen-Bildschirm möglich war, eine komplexe Struktur auf visuell ansprechende Weise darzustellen.

Ich wollte so etwas unbedingt auch programmieren können und entwickelte mit Turbo-Pascal 5.0 ein kleines Programm, welches die Aufruf-Struktur von dBase-Programmen analysierte und als Baumstruktur auf dem Bildschirm ausgab. Der Trick war es unter DOS einige spezielle Sonderzeichen an den richtigen Stellen auf dem Bildschirm auszugeben.

In der Firma PROSYS gab es damals ein mit Open Access entwickeltes Programm, welches zum Schreiben von Pflichtenheften verwendet wurde. Sein Kern war eine Komponente zur Erfassung und Bearbeitung einer Kapitelstruktur die durch unterschiedlich tiefes Einrücken dargestellt wurde, leider war es im Gebrauch sehr schwerfällig. Es machte aber deutlich, dass man mit einem Computer Strukturen bearbeiten kann.

Wenn ich selbst über neue Ideen nachdachte, entwickelten sich schnell eine Fülle von Gedanken, die ich genauso schnell erfassen und später weiter strukturieren wollte. Dafür gab es kein geeignetes Werkzeug. Papier war einfach viel zu statisch und eine Textverarbeitung war nicht in der Lage eine hierarchische Struktur visuell gut genug abzubilden.

Darum wollte ich mir ein solches Werkzeug selbst entwickeln. Das Ergebnis ist das Programm BrainStorm. Ein Programm mit dem die Äste im Baum blitzschnell nach Belieben verschoben werden konnten und es dadurch möglich war, eine Baumstruktur nach Belieben zu verformen. Es war – sozusagen – eines der ersten Mindmapping-Programme seiner Zeit.

Für dieses Programm entwickelte ich ein eigenes kleines Fenstersystem incl. eines integrierten Menügenerators.

Eine Zeit lang habe ich es als Shareware vertrieben.

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FoxPro 2.0 und 2.6

Das beste Datenbanksystem seiner Zeit war sicherlich FoxPro für DOS. Damit konnte man bei der Programmierung schon mit SQL arbeiten und sehr einfach leistungsfähige Reports erzeugen. Wie im Absatz über SPI Open Access schon erwähnt, war ich ein Fan von Datenbanken geworden. Bei Datenbanken kommt es aber unter anderem darauf an, sehr schnell die gerade gewünschten Daten zu bekommen. Dies war zur damaligen Zeit am besten mit FoxPro und seiner ‘Rushmore’-Maschine möglich.

Bei der Entwicklung von BrainStorm hatte ich erkannt, dass beliebig große Bäume und die Möglichkeit, dass mehrere Menschen gleichzeitig an einem Baum oder Zweig arbeiteten, mit einem im Arbeitsspeicher abgelegten Baum nicht möglich war. Darum wollte ich ein neues und noch viel besseres BrainStorm programmieren. Dazu benötigte ich aber eine schnelle Datenbank. Ich kaufte mir FoxPro für DOS und entwickelte ‘TheTree’, ein auf FoxPro basierendes BrainStorm.

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